Er-Presse-r

von Andreas Herkert-Rademacher

Aus den Medien erfahren 

wir die aktuellen Themen, 

aber mit Zensur-Gebaren 

will man diese Wirkung nehmen. 

Ist Berichterstattung kritisch, 

wird man überhäuft mit Klagen. 

Geht man nicht konform, politisch, 

stellt man künftig keine Fragen. 

Welche Themen man bespricht, 

ist ja schließlich Chef-Ermessen. 

„Freie Presse“ stimmt da nicht, 

hier kommt Presse von Er-Presse-n. 

Setzt sie nicht gleich an zum Kniefall, 

steht die Presse unter Druck, 

wird zum Pressesprecher-Spielball, 

oder, plattgepresst, zum Puck. 

Nimmt die Pressefreiheit Schaden, 

gehen bald auch mehr Aspekte  

freiheitlichen Denkens baden, 

drohen Dominoeffekte. 

Schon bei Hintergrund-Recherchen 

wird versucht, das Fundergebnis 

vorzufiltern, einzupferchen. 

Lohn dafür: Zensur-Erlebnis. 

Kommentarruf bei Kritik?  

„Journalismus? Lügenpresse!“ 

Welch ein eloquenter Trick, 

voller Inhalt und Finesse. 

Nein, ich bin auch nicht naiv, 

keine Meldung ist total  

ungefiltert objektiv, 

niemand ist komplett neutral. 

Nur: die Dosis macht das Gift, 

meistens stimmt der Kern thematisch. 

Noch, wenn auch mit rechtem Drift, 

ist das Land hier demokratisch. 

Damit Selbiges so bleibt, 

ist dies Grundrecht unersetzlich. 

Wenn man vorschreibt, was man schreibt, 

wird das Freiheitsrecht verletzlich.