Ich wünsche mir Worte wie Kellerasseln,
die nach der Nuklear-Apokalypse aus den Fugen krabbeln
und die Erde bevölkern,
wenn wir Menschen es nicht mehr tun.
Stattdessen gleichen meine Worte Silberfischchen,
die sich schon jetzt im Spalt zwischen Wand und Bodenleiste verstecken,
obwohl die Welt […] noch einigermaßen funktioniert.
Meine Worte muss ich mit Insektenfallen ins Offene locken,
nur kleben sie dann fest auf
einer winzigen Oberfläche […]
und lassen sich nicht mehr bewegen
und sind ohnehin
tot.
[der Autorin fehlen die Worte, obwohl nicht alle Insekten tot sind]
Im goldvertäfelten Raum Listen erstellen, die festlegen, wann/ wo/ wer/ kribbeln/ tippeln kriechen/ wuseln darf! Das Zeitalter der Kammerjäger*innen ist unterwegs und – was? Einen Waffenschein? – den brauchst du hier nicht – nur dank unserer Kleintierstrategie kann Großweltfrieden entstehen! Und Frieden braucht man eben für bestimmte Dinge.
Kammerjäger*innen jagen lassen und Worte in Besitz nehmen! Das ist die Devise.
[Hat die Autorin selbst die Insekten getötet?]
[Liegt die Schuld bei ihr allein?]
Auf meinen Knien
blicke ich in die Ecken ,
ziehe an den Haaren
die Tierchen herbei.
Beten ist okay, weil Gott alle Tiere erschaffen hat. Aber um Gott zu beschreiben, braucht es Lebensmittelmotten, die mir in den Mund genistet werden.
Öffne ich den Mund, fliegt eine heraus.
Manche Worte machen alles kaputt, manche nicht.
ichguckeindenspiegelundsehe,wietausendkleinetiere,maikäfervielleicht,oderblindschleichensich
ihrenwegdurchmeineblutgefäßebahnen. siekrabbelnundschwimmenundgleitenundschlängelnund
wimmelnuntermeinerhautdahinundichstehestillundschaueihnendabeizu. meinganzerkörper verknotetsich,verschiebtsich,beultaus,delltein,verschwimmt,zerfließt-
Die Scham brennt wie Ameisenpipi
[das hat die Autorin früh gelernt].
Komplizenschaft mit Schädlingskrieger*innen
fußt auf Privilegien und
Glück.
[nicht die Autorin muss sich befreien]
Ich wünsche mir Worte wie Kellerasseln,
die ausharren,
und ich wünsche mir Freund*innen,
die ihnen Zuflucht gewähren.
Vielleicht die Freundin,
die immer meine Spinnen entfernt hat,
wenn ich es nicht konnte.