Kellerasseln

von Lara Potyra

Ich wünsche mir Worte wie Kellerasseln,

die nach der Nuklear-Apokalypse aus den Fugen krabbeln

und die Erde bevölkern, 

wenn wir Menschen es nicht mehr tun. 

Stattdessen gleichen meine Worte Silberfischchen, 

die sich schon jetzt im Spalt zwischen Wand und Bodenleiste verstecken, 

obwohl die Welt […] noch einigermaßen funktioniert.
Meine Worte muss ich mit Insektenfallen ins Offene locken,

nur kleben sie dann fest auf 

einer winzigen Oberfläche […]

und lassen sich nicht mehr bewegen 

und sind ohnehin

tot. 

[der Autorin fehlen die Worte, obwohl nicht alle Insekten tot sind]

Im goldvertäfelten Raum Listen erstellen, die festlegen, wann/ wo/ wer/ kribbeln/ tippeln kriechen/ wuseln darf! Das Zeitalter der Kammerjäger*innen ist unterwegs und – was? Einen Waffenschein? – den brauchst du hier nicht – nur dank unserer Kleintierstrategie kann Großweltfrieden entstehen! Und Frieden braucht man eben für bestimmte Dinge. 

Kammerjäger*innen jagen lassen und Worte in Besitz nehmen! Das ist die Devise. 

[Hat die Autorin selbst die Insekten getötet?]

[Liegt die Schuld bei ihr allein?]

  

Auf            meinen                  Knien

blicke ich                                    in die                     Ecken   ,

ziehe                     an den                   Haaren

die                                                                    Tierchen       herbei. 

Beten ist okay, weil Gott alle Tiere erschaffen hat. Aber um Gott zu beschreiben, braucht es Lebensmittelmotten, die mir in den Mund genistet werden. 

Öffne ich den Mund, fliegt eine heraus.

Manche Worte machen alles kaputt, manche nicht. 

ichguckeindenspiegelundsehe,wietausendkleinetiere,maikäfervielleicht,oderblindschleichensich

ihrenwegdurchmeineblutgefäßebahnen. siekrabbelnundschwimmenundgleitenundschlängelnund

wimmelnuntermeinerhautdahinundichstehestillundschaueihnendabeizu. meinganzerkörper          verknotetsich,verschiebtsich,beultaus,delltein,verschwimmt,zerfließt-

Die Scham brennt wie Ameisenpipi

[das hat die Autorin früh gelernt].

Komplizenschaft mit Schädlingskrieger*innen

fußt auf Privilegien und 

Glück.

[nicht die Autorin muss sich befreien]

Ich wünsche mir Worte wie Kellerasseln, 

die ausharren, 

und ich wünsche mir Freund*innen, 

die ihnen Zuflucht gewähren.

Vielleicht die Freundin, 

die immer meine Spinnen entfernt hat, 

wenn ich es nicht konnte.